Mittwoch, 19. April 2017

I am an introvert.

Hallo. Ich bin Kathi.
Ich bin 21 Jahre alt und komme aus dem Ruhrpott. Oh, und ich bin introvertiert.
Warum ich ausgerechnet das so explizit erwähne? Nun ja...
Es ist ein Teil von mir und eine Eigenschaft, in die ich in der letzten Zeit viel Zeit zum Nachdenken investiert habe.




Introvertiert zu sein, erscheint mir manchmal als Hemmschuh. Manchmal macht es mich auch einfach nur wütend. Ich weiß nicht, ob es anderen introvertierten Menschen damit ähnlich geht, aber falls doch, dürft ihr jetzt gerne die Hand heben und meinem viel zu kleinen, ohnehin schon angeknacksten Selbstbewusstsein einen Schubser in die richtige Richtung geben.

Vor kurzer Zeit habe ich ein sehr niedliches Video auf YouTube zum Thema "introverts" (engl. für introvertiert/er Mensch) gesehen.
[Sehr zu empfehlen: "10 signs an introvert likes you"]
Demnach unterscheidet die Psychologie in vier verschiedene Typen von introverts. Ich vereine wohl offenbar drei der vier bekannten Typen in mir, bin am ehesten wohl aber der anxious introvert: ich bin bzgl. sozialer Interaktion gehemmt, weil ich mir immerzu vorstelle, wie eine noch nicht dagewesene Situation ausgehen, was passieren und was schiefgehen könnte. Deshalb bleibe ich am liebsten in meiner Komfortzone, probiere nichts Neues oder Ungewohntes aus und verschanze mich in meinen eigenen vier Wänden.

Womit wir wieder beim Thema des Wütend-seins wären. Auch, wenn man es vielleicht nicht unbedingt sofort glaubt, aber
...ich würde gerne öfter vor die Tür gehen.
...ich hätte gerne einen größeren Bekanntenkreis, sodass ich mit mehr Leuten unterschiedliche Dinge unternehmen könnte, ohne immer von der Freizeit derselben Menschen abhängig zu sein.
...ich würde gerne spontaner sein.
...ich würde gerne neue Dinge ausprobieren, um letztendlich auch mal sagen zu können: "Wie bescheuert!" oder "Ich hab' was erlebt".
Aber so bin ich nicht. Und ich glaube, es fällt nicht nur mir schwer, diesen Wesenszug zu akzeptieren, sondern auch den Leuten, mit denen ich in engem Kontakt stehe.
Ich bemerke erst seit noch gar nicht allzu langer Zeit die steigenden Tendenzen der Verhaltens- und Denkweisen eines introverts. Deshalb ist es für keine involvierte Partei einfach, damit umzugehen. Und weil introvertierte Menschen ihre Art nicht laut in die Welt hinausbrüllen, haben viele Menschen wenig bis gar kein Verständnis für sie und ihr Verhalten.

Introverts sind gedankenversunken. Sie teilen nicht alles was sie denken oder fühlen sofort mit der Person neben ihnen. Dafür muss eine starke Vertrauensbasis geschaffen werden von der sie das Gefühl haben, dass diese absolut undurchbrechlich ist. Erst wenn sie sich vollkommen wohl und sicher - und auch verstanden - fühlen, können sie sich jemandem öffnen. Auch wenn es sich bei der Eröffnung ihrer Gefühle nur um klitzekleine Dinge handelt, die sie teilen.
Und sollte diese Vertrauensbasis durch irgendeinen - möglicherweise sogar absolut kleinlichen und nichtigen - Grund einen noch so feinen Riss erhalten, verschließen sie sich.
Obwohl ich durchaus glaube, dass es jedem so geht, wenn er das Gefühl hat, in seinen Gedanken und Gefühlen nicht ernst genommen oder anerkannt zu werden.

Tatsächlich neigen introvertierte Menschen auch dazu, sich besser durch geschriebene als gesprochene Worte auszudrücken. Daran mag es vielleicht auch liegen, dass mein erster Blogpost sich diesem Thema widmet, ohne dass ich es in einer zwischenmenschlichen Konversation von Angesicht zu Angesicht jemals angesprochen hätte.
Da habt ihr's: ich bin das lebende Vorzeigebeispiel eines introverts.

Mittlerweile bin ich mir gar nicht mehr so sicher, was ich mit diesem Post eigentlich bezwecken wollte. Es klingt im Nachhinein tatsächlich mehr wie eine Rechtfertigung als alles andere. Oder doch mehr wie ein Einblick in die Psyche einer gewissen Art Mensch?
Ich denke, es liegt an euch, das zu beurteilen. Es mir endlich von der Seele zu schreiben, tut auf jeden Fall gut. Und das ist ja auch der Sinn und Zweck dieses kleinen, feinen Blogs: die Gedanken, die in meinem Kopf Purzelbäume schlagen, in Worte zu fassen und zu ordnen.

Haben sich hier eigentlich auch einige introverts her verirrt und den Post gelesen? Da bin ich dann doch neugierig! Oder gehört ihr eher zu der extrovertierten Fraktion?
[Und dann gibt es da ja auch noch die so genannten ambiverts...]
Ich hoffe, die Ersteren fühlen sich verstanden und die Letzteren können nun ein bisschen besser nachvollziehen, wie es in uns aussieht und wie wir uns fühlen. Wir werden leider viel zu oft für unser Verhalten, unsere Ansichten und unser Schweigen missverstanden und als arrogant oder unhöflich verbucht. Und Missverständnisse sollte man doch versuchen, aus der Welt zu schaffen, oder?

Der introvert auf der anderen Seite des Bildschirms verabschiedet sich mit einem Tritt aus ihrer Komfortzone. Und damit meine ich nicht nur, diesen Blogpost verfasst zu haben, sondern mit einem Kumpel, mit dem ich noch nie zuvor etwas alleine unternommen habe, ins Kino in die Sneak Preview zu gehen. Klingt für viele jetzt vielleicht echt simpel und nicht der Rede wert, aber - hey! - auch kleine Schritte sind Schritte in die richtige Richtung. Vergesst das nicht!

1 Kommentar:

  1. Da kann ich mal die Hand hoch halten. Ich bin ziemlich introvertiert und ängstlich schon immer. Aber der Trick ist über sich rauszuwachsen und das geht :) sei nicht wütend sondern einfach diese Energie in was anderes lenken. Das machst du schon ganz richtig mit einfach mal was Neues probieren. Viel Spaß im Kino
    Liebe Grüsse Ela

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